Saxofonist Tony Lakatos im Glashaus

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Das Finale der IG-Jazz-Sommerreihe

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Mit Tony Lakatos als Stargast endet diesjährige Reihe der IG Jazz Rhein-Neckar

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Auch 2016 wieder „Musik und Talk“ im Glashaus?


"Ich stehe auf klassischen Jazz, auf Melodie und Rhythmus", sagt Tony Lakatos. Der international bekannte Saxofonist unter anderem der Bigband des Hessischen Rundfunks war diesmal zu Gast bei Gitarrist Marcus Armani im Ladenburger Glashaus. Dort endete die dreiteilige "Musik und Talk"-Sommerreihe der IG Jazz Rhein-Neckar - zumindest für dieses Jahr - mit dem aus einer ungarischen Roma-Musikerfamilie stammenden Künstler, der sich unter anderem auch dank seines Duoprojekts mit dem Pianisten und Organisten Jasper van't Hof großer Beliebtheit erfreut.

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Humorvoll in sich ruhend, so wirkt er: Ein sympathischer Typ mit Hut auf dem Kopf hat da Platz genommen in einem der beiden Korbstühle auf der Bühne. Auch der heute in Neu-Isenburg bei Frankfurt wohnende Ausnahmesaxofonist macht rund 50 Zuhörer bei den begehrten "Plattentipps" mit Musikern bekannt, die ihn beeinflusst haben. Damals schon, als der 1958 in Ungarn geborene noch hinter dem "Eisernen Vorhang" lebte. Über Radioprogramme des staatlichen US-Senders "Voice of America" lernte er die Musik von Sonny Rollins, Stan Getz, Gene Ammons und Joe Henderson kennen und lieben, wie er Armani und damit den Zuhörern erzählt.

Nicht die technisch Hochvirtuosen, sondern "Saxofonisten, die eine eigene Stimme in der Jazzgeschichte entwickelt haben", sind für ihn die Größten. Dass er heute selbst dazu zählt und mit Genregrößen zusammenarbeitet, verdankt er seinem Fleiß in jungen Jahren. Eigentlich hätte er Geiger werden sollen wie sein Vater. Doch beim Bruder eines Schulfreunds sah er ein Saxofon, dem er auf Anhieb einige Töne entlocken konnte. Durch täglich bis zu neunstündigem Üben erlangte der Jugendliche so viel Können, dass er einen landesweiten TV-Wettbewerb gewann.

"Okay, Du kannst die Geige weglassen", erkannte da endlich auch der Vater das Talent an. Nach dem Studium am Bela-Bartók-Konservatorium stieg Lakatos 1981 bei Toto Blankes Jazzrock-Formation "Electric Circus" ein - und wurde bald darauf Deutscher. Seit 22 Jahren gehört er zur HR-Bigband. Es gibt ein Saxofon-Modell seines Namens. Einen seiner vielen Erfolge feierte der Saxofonist mit dem Album "Gypsy Colours", das sich aus seinen ungarischen Wurzeln speiste. Was er als Roma vom nationalistisch eingestellten Ministerpräsidenten Ungarns hält und wie Minderheiten unter dessen Regierung seit 2010 diskriminiert werden, deutet Lakatos zumindest an diesem Abend nur an.

Für seine großartigen Live-Soli und Duette mit Armani bei Stücken wie "Douce Ambience" (Django Reinhard) und "Dream Dancing" (Cole Porter) hört Lakatos gleichwohl viel Beifall im Glashaus, wo es mit Unterstützung der Ladenburger Jazzer Graham Jones und Hakan Kallberg sowie der Initiative im Waldpark 2016 möglichst zur zweiten Auflage dieser Serie kommen soll. pj

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 08.10.2015

Die Sommerreihe der IG Jazz | Mit Tony Lakatos & Marcus Armani - Teil 3: The Political Side Of Jazz - Am 4. Oktober 2015 um 17:00 Uhr im Glashaus Ladenburg

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